Vorwort des Vorstandsvorsitzenden

Wandel braucht nachhaltige Lösungen

Prof. Dr.-Ing. Aldo Belloni – Vorsitzender des Vorstands der Linde AG (Foto)

Professor Dr. Aldo Belloni, Vorstandsvorsitzender der Linde AG

Herr Professor Belloni, das vergangene Jahr war für Linde herausfordernd, wie geht Linde mit dem Wandel um?

Ohne Zweifel war 2017 ein spannendes Jahr. Wir haben einschneidende Veränderungen und Umwälzungen erlebt, beispielsweise durch die Digitalisierung. Es gab Wahlen und Abstimmungen mit überraschendem Ausgang. Und im Rahmen des geplanten Zusammenschlusses mit Praxair hatten wir viele zusätzliche Aufgaben zu meistern. Unser unternehmerisches Handeln unterliegt in vielen Bereichen einem permanenten Wandel. Sei es durch regulatorische Vorgaben, sich verändernde Rahmenbedingungen oder neue Anforderungen unserer Kunden. Der globale Wettbewerb nimmt zu. Damit wir auch in Zukunft am Markt bestehen können, arbeiten unsere Mitarbeiter mit unseren Kunden, aber auch mit Lieferanten, Partnern und Forschern kontinuierlich an neuen Lösungen und effizienteren Verfahren. Veränderungen sind für uns vor allem Ansporn, immer besser zu werden.

Gilt das auch für nachhaltiges Wirtschaften?

Selbstverständlich. Als globales Unternehmen sind wir uns der Rolle bewusst, die wir in der Gesellschaft haben. Nachhaltigkeit ist eines der Grundprinzipien von Linde und Basis für langfristigen Erfolg. Wir bekennen uns zu den Prinzipien des UN Global Compact und unterstützen die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, insbesondere in Bereichen wie umweltfreundliche Energie, Innovation oder Gesundheit. Wir arbeiten zum Beispiel in zahlreichen Projekten daran, Energieeffizienz zu steigern. Bei unseren eigenen Prozessen konnten wir im Jahr 2017 unter anderem nach der Überholung einer Luftzerlegungsanlage in China die CO2-Emissionen vor Ort um rund 10.000 Tonnen jährlich senken. Ein Beispiel aus unserem Produktportfolio: Für unsere Kunden im Gesundheitsbereich haben wir unsere Datenplattform Hospital IQ weiterentwickelt, die Abläufe in Krankenhäusern bei der Versorgung von Patienten mit medizinischem Sauerstoff verbessert und zudem das Personal entlastet.

Wo gibt es Verbesserungspotenzial?

Bei Linde prüfen wir permanent unsere Leistungen und Fortschritte auf allen Ebenen. So erkennen wir auch, an welchen Punkten wir noch nicht da sind, wo wir sein wollen. Beim Transport unserer Produkte etwa ist jeder Unfall einer zu viel. Daher schulen wir nicht nur unsere eigenen Fahrer, sondern auch Mitarbeiter von Transportdienstleistern und investieren in die Sicherheit der Fahrzeuge. In Asien haben wir beispielsweise in einem Pilotprojekt Technologien getestet, die drohenden Sekundenschlaf oder Ablenkungen bei unseren Fahrern erkennen können und helfen, unmittelbar gegenzusteuern. Mit intensiven Trainings wollen wir zudem die Sicherheitskultur verbessern und die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für Sicherheit stärken.

Bei welchen nachhaltigen Produkten und Technologien sieht sich Linde als Vorreiter, um notwendige Veränderungen in der Gesellschaft voranzutreiben?

Wir forschen und investieren in zahlreiche vielversprechende Technologien und Produkte, etwa in die Gewinnung von Treibstoff und Energie aus Abfall oder die Wiederverwendung und Speicherung von CO2. In Saudi-Arabien haben wir im vergangenen Jahr die größte CO2-Reinigungs- und -Verflüssigungsanlage der Welt fertiggestellt. Und bei der umweltfreundlichen Wasserstofftechnologie nehmen wir eine führende Rolle ein. Brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge erzeugen keine Emissionen. Zudem haben sie eine große Reichweite und können genauso schnell wie herkömmliche Fahrzeuge betankt werden. Dabei sind Wasserstofffahrzeuge keine weit entfernte Zukunftsvision. Für Autos, Busse, Lkw und Züge ist die Technologie schon heute weit fortgeschritten und einsatzbereit. Im vergangenen Jahr erhielten wir beispielsweise den Auftrag zur Versorgung von 14 Brennstoffzellenzügen in Deutschland mit Wasserstoff. Die Züge sollen ab 2021 Reisende befördern und ersetzen Dieseltriebwagen. Wasserstoff hat aber nicht nur für die Mobilität enormes Potenzial. Im Energiepark Mainz wird seit zwei Jahren aus Windenergie „grüner Wasserstoff“ produziert. Dort sind wir für die Aufbereitung und Distribution des Wasserstoffs verantwortlich. Außerdem entwickeln unsere Experten Lösungen für die Frage, welche Rolle Wasserstoff als Speichermedium für Energie aus erneuerbaren Quellen einnehmen kann. Eine echte Herausforderung für eine moderne Gesellschaft und für uns Ansporn, weiterhin den Wandel aktiv mitzugestalten.

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